Es ist noch nicht lange her, da war die Alhambra der Höhepunkt jeder Reise durch Andalusien, aber das war, bevor die maurische Festungsanlage auf einem Hügel Granadas vom Massentourismus entdeckt wurde. Der Eintritt war für die Bewohner der Stadt kostenlos und an heißen Sommertagen haben die Leute in den Brunnen der Innenhöfe gebadet. Das Positive an der Zunahme der Besucherzahlen ist, dass  durch die Einnahmen die fragilen Gebäude vor dem Verfall bewahrt werden konnten. Wenn man sich heute eine Eintrittskarte kauft, sollte man sich aber im Klaren darüber sein, dass man einen Ort besuchen wird, der zwar nichts von seinem Reiz verloren hat, an dem Touristen aber in Massen abgefertigt werden. Alle 30 Minuten werden mehrere hundert Besucher durch die Nasridenpaläste geschleust, wenn man langsam durch die Säle und Höfe schlendert wird man von mehreren dieser Gruppen überholt. Wer die Alhambra vor fünf oder zehn Jahren gesehen hat, wird heute enttäuscht sein.

Die Alhambra in Granada

Bei einem Rundgang durch die Alhambra kommt man an mehreren großen Teilen der Anlange vorbei, nämlich dem Sommerpalast Generalife, die mittelalterliche Stadt Medina innerhalb der Burgmauern, dem Renaissancepalast Karls V., der Verteidigungsanlage Alcazaba, den Nasridenpalästen , den Wohnräumen Karls V. (Casa Real) und dem Partal. Vom Eingangspavillon geht es zunächst nach oben durch eine Allee aus Zypressen, das erste Ziel des Rundgangs ist der Generalife.


 Generalife 

Der Sommerpalast Generalife in der Alhambra

Der Generalife war der Sommerplast der Anlage, er ist umgeben von Gärten und verspielten Parks mit Brunnen, die mit Wasser aus der Sierra Nevada für Abkühlung in den Innenhöfen sorgten. Dieser Palast wurde zwischen dem 12. und dem 14. Jahrhundert erbaut, er war eine Art Landsitz, in den sich sie muslimischen Herrscher zur Erholung zurückzogen. In den Gärten wurde Gemüse angebaut und auf den Weiden des Generalife grasten Ziegen und Schafe. 

Gärten des Generalife in der Alhambra

Huertos y Teatro. Auf dem Weg zum Generalife kommt man zuerst an den im mittelalter angelegten Gemüsegärten (Huertos) vorbei, die auch heute noch genutzt werden. Das Areal zwischen Alhambra und Generalife wurde 1921 vom Staat erworben und als Parkanlage gestaltet. Hier befindet sich auch ein Freilufttheater, in dem seit 1952 das Internationale Musik- und Tanzfestival von Granada stattfindet.

 

Die Neuen Gärten des Generalife in der Alhambra

Die Jardines Nuevos (Neue Gärten) wurden 1951 angelegt, und zwar auf einem Areal, das den maurischen Bewohnen im Mittelalter zum Anbau von Gemüse diente. Das Zentrum der Anlage bilden mehrere langgezogene Bassins mit Springbrunnen – diese sind eigentlich Bewässerungsrinnen. Um die Wasserflächen herum sind Zypressen gepflanzt, größere Bäume und kunstvoll geschnittene Hecken. Um ein Foto in der Mitte der künstlichen Wasserbecken zu machen muss man quasi Schlange stehen, die Stellen, an denen Postkartenmotive entstehen, werden von Touristen belagert. Etwas ruhiger ist es an den äußeren Rändern des Gartens, hier kann man sich sogar auf eine der Parkbänke setzen und etwas verweilen.

Der Rosengarten des Generalife in der Alhambra

Der älteste Teil dieser labyrinthartigen Gartenanlage ist die Rosaleda (Rosengarten), sie liegt direkt beim Eingang zum Sommerpalast und wurde in den Jahren 1930 und 1931 vom Architekten Leopoldo Torres Balbás gestaltet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das arabische Erbe Andalusiens wiederentdeckt. Das machte sich in der damaligen Architektur und der Gartengestaltung bemerkbar, wie wie auch in Sevilla oder Ronda wurden in der Alhambra Gärten in vermeintlich maurischem Stil angelegt.

Der Eingang zum Sommerpalast Generalife in der Alhambra

Als nächstes gelangt man zum Eingang des Generalife – Entrada al Generalife – man betritt die Palastanlage durch einen Torbogen, an dem abermals die Eintrittskarten kontrolliert werden und kommt zunächst in einen Innenhof. Von hier aus betritt man den Palast.

Der erste schöne Innenhof auf dem Rundgang ist der Patio de la Acequia (Hof des Bewässerungsgrabens), dessen zentrale Achse eben ein solcher Bewässerungsgraben mit Springbrunnen bildet. Auch dieser ist nicht maurischen Ursprungs, sondern er wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts angelegt. Ursprünglich war der Innenhof außerdem ganz geschlossen und rund um den Hof befanden sich Wohnräume. Nach einem verheerendem Brand 1958 erhielt der Patio de la Acequia seine heutige Form. Die reichen Verzierungen im Inneren des Aussichtsbalkons in der Mitte des Hofs entstanden Anfang des 14. Jahrhunderts und gehören zu den wenigen im Original erhalten gebliebenen Teilen der Anlage.

Der Patio de la Acequia im Generalife der Alhambra

Die Fester des Balkons beginnen wenige Handbreit über dem Boden, ein typisches Merkmal der Architektur der Nasriden, denn so konnte man am Boden sitzend die Aussicht genießen. Würde man das heute versuchen wollen, würde man vom Sicherheitsdienst sofort aufgefordert werden, schnell weiter zu gehen.  

Der Salón Regio im Generalife der Alhambra

Am Ende des Innenhofs befindet sich der Salón Regio (Königlicher Salon), den man durch ein Tor mit drei Torbögen betritt. Man gelangt in einen reich mit Stuckarbeiten geschmückten Vorraum mit einer verzierten Holzdecke. Der eigentliche Salon, in welchem der Sultan Besuche empfing, ist abgesperrt, man kann nur über eine Absperrung hinweg hineinblicken. Auch dieser Raum ist reich verziert und hat Fester nahe am Boden, die einen wunderschönen Ausblick über die Stadt Granada bieten. Der königliche Salon ist ein Flaschenhals auf dem Weg durch den Sommerpalast, es ist einer der schönsten Plätze, weshalb die Besucher hier länger verweilen, als es der Verwaltung vermutlich lieb ist.

Der Patio de la Sultana im Generalife der Alhambra

Weiter im inneren Bereich des Palastes kommt man über eine Treppe zum Patio de Ciprés la Sultana (Hof der Zypresse der Sultanin), dessen Arkadengang 1584 erreichtet wurde, zu einer Zeit, als die Mauren längst vertrieben waren. Der Hof wurde im Barockstil gestaltet, ursprünglich wurde der gesamte Innenhof als Bad des Palastes genutzt. Die Zypresse der Sultanin ist ein abgestorbener Baumstamm, der an einer Wand des Innenhofs befestigt ist. Die Legende erzählt, das der Baum Zeuge einer Affäre zwischen einem Krieger der Abencerragen und der Frau des letzten Herrschers von Granada, Boabdil (1459 bis 1533), wurde.

Die Wasserstiege im Generalife der Alhambra

Über die Escalera del Agua – Wassertreppe – gelangt man zum höchstgelegenen Teil des Generalife. In den steinernen Handläufen der Treppe fließt das kühle und frische Wasser zur Bewässerung des Palastes in offenen Kanälen. Die schattige Treppe ist einer der kühlsten Platze des Generalife, die Mitte jeder der drei Plattformen schmückt ein einfach gehaltenen Brunnen.

Im oberen Teil des Sommerpalast befindet sich der 1836 erbaute Mirador Romántico (Romantischer Aussichtspunkt), ein Gebäude im Stil der Neogotik, das einen starken Kontrast zu anderen Gebäuden des Palastes bildet. Der Besuch geht weiter durch die Jardines Altos (Obere Gärten).

Das Casa de los Amigos im Generalife der Alhambra

Auf dem Weg hinunter kommt man am Casa de los Amigos (Haus der Freunde) vorbei, ein Zubau aus dem 13. und 14. Jahrhundert, der der Beherbergung von Freunden des Sultans diente, mit dem Palast war es über eine Stiege verbinden. 

Die Promenade der Oleander im Generalife der Alhambra

Schließlich verläßt man den Generalife wieder über den Paseo de las Adelfas (Promenade der Oleander). Der gepflasterte Weg verläuft unter mit Oleander bewachsenen Bögen hindurch, er wurde Mitte des 19. Jahrhunderts als romantischer Zugang zum Generalife angelegt. Am Ende der Promenade kommt man wieder zur Allee der Zypressen, wo der Spaziergang durch den Palast Generalife seinen Ausgang nahm.


 Nasridenpaläste 

Die Nasridenpaläste der Alhambra

Als Palacios Nazaríes (Nasridenpaläste) bezeichnet man den Teil der Alhambra, in dem sich Comares-Palast und der Löwenhof mit anliegenden Gebäuden befindet, sie stammen aus der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts und sind damit jünger als die Alcazaba oder der Generalife. Die Nasriden waren eine maurische Dynastie, die zwischen 1237 und 1492 über das Emirat von Granada herrschte. Der Zugang zu diesem Teil der Alhambra ist streng reguliert, die normale Eintrittskarte gilt für den ganzen Tag, wobei der genaue Zeitpunkt für den Zuritt zu den Nasridenpalästen aufgedruckt ist. Der Eingang befindet sich auf dem Platz neben dem Palacio de Carlos V.

Der Mexuar in der Alhambra

Nachdem man die Palastanlage betritt, kommt man in den Mexuar, den Versammlungsort der Minister des Sultans. Es ist ein Vorbau des Comares-Palast, der vermutlich vom Emir Isma’il I. von Granada (1314 bis 1325) errichtet wurde. Ursprünglich brannte in der Mitte des Raumes ein Feuer, das der Beleuchtung diente. Die Zwischendecke wurde im 16. Jahrhundert eingezogen, als der Raum in eine Kapelle umgewandelt wurde. Auch zuvor hat sich an der Stirnseite des Mexuar ein Gebetsraum befunden, der nach der Eroberung Granadas als Munitionsraum diente, dann durch eine Explosion im Jahr 1590 zerstört und erst 1917 rekonstruiert wurde.

Fassade des Comares-Palast in der Alhambra

Der nächste Stopp liegt in einem Innenhof, dessen eine Front die Fassade des Comares-Palast und die andere Front das Goldene Zimmer (Fachada de Comers y Cuarto Dorado) bildet. Im 16. Jahrhundert empfing der Sultan hier seine Untertanen und sprach Recht. Das Goldene Zimmer ist vom Innenhof nur durch durch drei große Arkaden getrennt, wodurch es zum Hof hin offen ist. Seinen Namen hat unter Muhammad V. (1338 bis 1391) gestaltete Zimmer aufgrund der kunstvoll geschnitzten und bemalten Decke aus Holz bekommen. Die heutige goldene Bemalung zeigt Joche und Pfeile, das Wappen der Katholischen Könige.

Auch die Fassade des Comares-Palast wurde von Muhammad V. in Auftrag gegeben, und zwar anlässlich der Eroberung von Algeciras im Jahr 1370. Die Fassade ist mit geometrischen Formen dekoriert, ein Meisterwerk islamischer Baukunst. Hinter dieser Fassade begann der private Bereich des Sultans. Durch die rechten Tür gelangte man in die Räumlichkeiten der Familie und der Bediensteten des Sultans, die nicht besichtigt werden können. Im Rahmen des Rundgangs geht man auch die linke Tür und kommt, nachdem man einen engen Gang passiert hat, in den Myrtenhof.

Myrtenhof in der Alhambra

Der Patio de los Arrayanes (Myrtenhof) bildete das Zentrum des familiären Lebens der Königsfamilie, um den Hof herum sind die einzelnen  Arbeits-, Wohn- und Schlafräume angeordnet. Insofern ist ein Palast genauso aufgebaut, wie ein das Haus jeder maurischen Familie, nur eben größer. Das Zentrum des Myrtenhofs bildet ein großes Wasserbecken, dessen Längsseiten von Myrtenhecken eingerahmt werden. Der Myrtenhofe war von Beginn an mit weißen Marmorplatten bedeckt, der Belag wurde aber im 16. Jahrhundert erneuert und ausgedehnt.

Sala de la Barca in der Alhambra

Auf dem Weg vom Myrtenhof zum wichtigsten Ort des Palastes geht man durch einen unscheinbaren Raum, den Sala de la Barca (Schiffssaal). Der ungewöhnliche Name erklärt sich möglicherweise aus der Form des hölzernen Gewölbes, das an einen Schiffsrumpf erinnert. Das einzigartige Deckengewölbe aus Kiefer ist mit großen zwölfzackigen Sternen zwischen denen jeweils kleinere achtzackige Sterne sitzen. Das originale Gewölbe wurde während eines Brandes 1890 fast vollständig zerstört und erst 75 Jahre später, 1965, anhand von Zeichnungen, von Fotos und von Überresten rekonstruiert. Nach einer anderen Erklärung geht die spanische Bezeichnung auf das arabische Wort al-baraka zurück, das Segen bedeutet und als dekorative Inschrift auf den Wänden viele Male wiederholt wird.

 

Salón de Comares in der Alhambra

Durch einen Torbogen im Sala de la Barca betritt man den Salón de Comares (Comares-Saal) bzw. den Salón de los Embajadores (Saal der Botschafter) oder Salon del Trono (Thronsaal). Das Tageslicht dringt nur gedämpft auch die Gitterfenster, ein charakteristisches Merkmal der maurischen Architektur. Dieser Raum liegt im Inneren des 45 Meter hohen Turms Torre de Comares, der sich von außen betrachtet klar von den übrigen Gebäuden abhebt. Die Öffnungen in den Wänden sind kleine Schafzimmer, das größte und am reichten dekorierte war dem Sultan vorbehalten. Die Mitte des Raumes ist abgesperrt, hier ist noch der ursprüngliche Boden aus goldverzierten Keramikziegeln erhalten geblieben. Die Wände sind bis hinauf zum kunstvollen Dach reich verziert, mit geometrischen Formen und religiösen Inschriften. Der Zweck was es, einen repräsentatives Raum für den Thron des Sultans zu schaffen, von dem aus dieser regierte. Der Rundgang führt nun wieder zurück zum Myrtenhof.

 

Der Saal der Mocárabes in der Alhambra

Mit dem Sala de los Mocárabes (Saal der Muqarnas) betritt man den zweiten Palast der Nasridenpaläste, den um den Löwenhof herum angeordneten Löwenpalast. Muqarnas sind ein Element der maurischen Architektur, sie bestehen aus einer großen Anzahl an kleinen Spitzbögen, die kaskadenförmig angeordnet sind und den Übergang zwischen einem eckigen Raum und einer runden Kuppel bilden. Interessanterweise findet man kaum Muqarnas im Saal der Muqarnas, da die ursprüngliche Decke im 17. Jahrhundert durch die heutige Kuppel ersetzt wurden; nur der Name ist geblieben. Die Lage am Eingang des Palastes läßt vermuten, dass es es sich um einen Empangsraum gehandelt haben muss, auch einer der Toiletten des Palastes befand sich vermutlich hier..Nur an den drei Torbögen, die zum Löwenhof hin offen sind, sieht man noch Muqarnas. Die Wände des Raums sind mit Stuck dekoriert, auch hier sind religiöse Inschriften und Symbole der Nasriden erhalten geblieben.

 

Der Löwenhof der Alhambra

Der Patio de los Leones (Löwenhof) ist das Herzstück der Alhambra und der Höhepunkt maurischer Architektur auf der Iberischen Halbinsel, er ist ein herausragendes Beispiel für deren prunkvoll geschmückten Torbögen und Säulengänge und gleichzeitig für das hydraulische Wissen jener Zeit. Ein ausgeklügeltes System sorgt dafür, dass die spiegelglatte Wasseroberfläche des Löwenbrunnens bis zum Rand reicht ohne überzulaufen. Die zwölf wasserspeienden Löwen sind Nachbildungen, die Originale kann man im Museum der Alhambra besichtigen. Die symmetrische verlaufenden Wasserkanäle teilen den Löwenhof in vier Teile, es ist nicht klar, ob der Boden auch ursprünglich mit weißem Marmor ausgekleidet war oder ob den Hof eine Gartenanlage schmückte.

Der Löwenhof wurde während der zweiten Regierungszeit Muhammad V. zwischen 1362 und 1391 erbaut, jene Zeit ist auch der Höhepunkt der Nasriden in Granada. Auch der Löwenhof war der Mittelpunkt des familiären Lebens, um ihn herum waren die verschiedenen Räume des Palastes organisiert. 

Saal der Abencerrajes in der Alhambra

Der Sala de los Abencerrajes (Saal der Abencerragen) liegt an der Südseite des Löwenhofes, er trägt den Namen einer maurischen Adelsfamilie, die im 8. Jahrhundert aus dem nordafrikanischen Teil des Königreichs Granada in die Hauptstadt kam, bis zum 15. Jahrhundert wurden die Abencerragen zu einem wichtigen politischen Faktor. Der Sultan Muley Hacén soll 36 Mitgliederlieder der Abencerragen in dem nach ihnen benannten Saal ermordet haben lassen, nachdem sich die Familie im Jahr 1496 gegen den Sultan erhob. Auf dem weißen Marmorboden neben dem Brunnen kann man zwei rotbraune Flecken sehen, die der Legende nach Blutflecken dieses Massakers sind. Was an diesem Saal spektakulär ist, ist die Decke aus Muqarnas, den kleinen Spitzbögen, die hier besonders schön und gut erhalten ist. Die Decke in Form eines achtzackigen Sternes scheint ganz leicht über dem Raum zu schweben, sie ist aus mehrenden Schichten aufgebaut. Die unterste Schicht der Muqarnas besteht aus dunklem Stuck, darüber liegt eine Schicht weißer Stuck, die rot, blau, grün, schwarz und golden bemalt ist.

Sala de los Reyes in der Alhambra

Der Sala de los Reyes (Saal der Könige) nimmt die Ostseite des Löwenhofs ein, er liegt somit gegenüber des Palasteingangs und des Sala de la Barca. In diesem 30 Meter langen Raum war der hauptsächliche Aufenthaltsort, hier zog sich die königliche Familie zur Ruhe und zu Gesprächen zurück und hier wurden auch Gäste empfangen und Feste gefeiert. Der Raum ist dreigeteilt, über den beiden äußeren Teilen sitzt eine quadratische Kuppel, die mit Muqarnas geschmückt ist. Die Decke des mittleren Raumteils schmückt die Darstellung einer typischen Szene am Hof, wie sie sich häufig so oder ähnlich abgespielt haben muss, ein Gespräch zwischen dem Sultan und wichtigen Personen und Beratern. Es ist die Darstellung von zehn traditionell gekleideten Personen, deren Gesichtszüge  und Gesten verraten, dass sie in ein Gespräch vertieft sind. Früher vermutete man fälschlicherweise, dass es sich um eine Gerichtsszene oder die Darstellung der zehn wichtigsten Nasridenherrscher handelte.

Saal der zwei Schwestern in der Alhambra

Auch den Sala de las dos Hermanas (Saal der zwei Schwestern) betritt man vom Löwenhof aus, es handelte sich um einen Wohnraum mit einem Brunnen im Zentrum. Am Boden links und rechts des Brunnens liegen zwei riesige weiße Marmorplatten, die beiden Schwestern. Der Saal der zwei Schwestern ist dem Saal der Abencerragen sehr ähnlich was Größe, Dekoration und Funktion betrifft. Hervorzuheben ist auch hier die schöne Decke aus Muqarnas, die mit Mosaiken verfliesten Wände im unteren Bereich und der kunstvolle Stuck im oberen Bereich. Bemerkenswert ist die verzierte Holzdecke in einem der beiden Seitenräume. Vor dort aus gelangten die Bewohner ihre die Schlafräume im oberen Stockwerk bzw. zur Toilette.

Saal der Ajimecas in der Alhambra

Der Sala de los Ajimecas (Saal der Bogenfenster) liegt hinter dem Saal der zwei Schwestern, vom Balkon aus sieht man in den Innenhof Patio de la Lindaraja. Ajimecas sind ein weiters charakteristisches Merkmal der maurischen Architektur, es sind die bekannten Bogenfenster mit einer Zwischensäule, wie man sie hier am Aussichtsbalkon sehen kann, ursprünglich gab es solche Fester auch an den beiden Enden des Raumes. Der unterer Teil der Wände war ursprünglich vermutlich mit Wandteppichen bedeckt und ist deshalb nicht dekoriert, im oberen Teil kann man die Wandverkleidung aus Stuck bewundern. Die Decke ist nicht im Original erhalten geblieben, sie wurde im 16. Jahrhundert rekonstruiert. Der Aussichtsbalkon ist als Mirador de la Lindaraja bekannt, es ist der am feinsten und reichsten dekorierte Ort der Alhambra. Der Mirador de la Lindaraja in der AlhambraLindaraja ist aus dem arabischen al-'Ayn Dar Aisa entstanden, was soviel wie die Augen von Aisas Haus bedeutet. Zu Zeit der Nasriden konnte man von hier aus ins Tal des Flusses Darro sehen und dort, wo sich heute ein Innenhof befindet, waren Gärten angelegt. Schon der Torbogen, der den Aussichtsbalkon vom Sala de los Ajimecas trennt ist mit feinen Mosaiken dekoriert, aber das Bogenfenster ist ein Meisterwerk, ein Beispiel für so etwas wie eine maurisch-barocke Architektur. Eine der Inschriften ist ein Gedicht „Ich bin das kühle Auge dieses Gartens, in mir sieht er Granada von seinem Thron aus“. Den oberen Abschluss des Bogenfensters bildet eine mit Muqarnas dekorierte Blendarkade, darunter sieht man einen eine mehrfarbig belaste Dekoration aus feinen Stuckarbeiten. Das Fenstersims ist nahe des Bodens, sodass man sitzend die Aussicht genießen konnte. Dies ist der letzte Stopp innerhalb der Nasridenpaläste, durch einen Gang geht es weiter zur Casa Real.


Casa Real

Die Königlichen Wohnräume Karls I./V. in der Alhambra

Schon bald nachdem die Katholischen Könige Granada im Jahr 1492 eingenommen hatten, begannen sie mit der Umgestaltung und Restaurierung der Alhambra. Deren Enkel Karl I./V. veranlasste 1517 von Flandern aus die Einrichtung einer nicht zu bescheidnen Unterkunft. Der König kam 1526 in Begleitung seiner Frau Isabella von Portugal nach Granada, und war von den maurischen Palästen so beeindruckt, dass der überlegte, die Granada zur Hauptstadt des Reichs zu machen. Zunächst gab er aber 1528 nur den Auftrag, eine aus sechs Räumen bestehende Suite Imperial zu bauen. Diese königlichen Räumlichkeiten – Casa Real – betritt man über das Obergeschoß des Comares-Palast, als Erstes kommt man in den Arbeitsraum Karls I./V. und in die königlichen Schlafzimmer. Eine Gedenktafel erinnert hier daran, dass der nordamerikanische Schriftstelle Washington Irving viele Jahre später ebenfalls hier Unterkunft bezog und seine Geschichten der Alhambra verfasste.

Der Patio de la Reja in der Alhambra

Vom letzten der Wohnräume Karls I./V. aus gelangt man in den Patio de la Reja (Gitterhof), der manchmal auch Patio de los Cipreses (Zypressenhof) genannt wird. Die namensgebenden Gitter sind die des Balkons, der als offener Verbindungsgang zwischen dem einzelnen Zimmern der Casa Real dient und zwischen 1654 und 1655 erbaut wurde. Ein kurioses Detail dieses Innenhofs ist, dass die weiße Marmorplattform des Brunnens aus der Zeit der Nasriden stammt und dann beim Bau der Casa Real wiederverwertet wurde. In diesen Hof ist man durch mehrere Räume und verwinkelte Gänge gekommen, man merkt nicht gleich, dass man sich unmittelbar neben dem Myrtenhof und dem Turm von Comares befindet. Durch eine große Öffnung auf der Westseite des Innenhofs sieht man das beeindruckende Kellergeschoß des Sala de la Barca, das auch Saal der Nymphen genannt wird.

Der Lindaraja-Hof in der Alhambra

Im Patio de la Lindaraja steht man nun auf der anderen Seite des gleichnamigen Aussichtsbalkons und ist von hohen Zypressen umgeben. Ursprünglich befand sich dieser Ort an der Außenseite des Löwenpalastes, erst als die königlichen Gemächer im 16. Jahrhundert erbaut wurden, entstand dieser allseitig geschlossene Innenhof. Im Zuge dieser Bauarbeiten verwendete man Säulen, die man aus anderen Teilen der Alhambra, dem Patio de Machuca, abtrug. Der Barockbrunnen im Zentrum des Hof wurde aus Steinen der Sierra Elvira gefertigt, die 15 Kilometer nordwestlich von Granada liegt. Der Brunnensockel aus Marmor, der sich heute im Museum befindet, stammte vermutlich aus dem Löwenhof.


El Partal

Der Porticus des Palastes im Partal der Alhambra

Nachdem man den Patio de la Lindaraja durch ein Tor auf der Nordseite verlassen hat, findet man sich in einer ebenen Gartenanlage wieder, dem Partal. Hier befand sich einst der Palast von Yusuf III. (1376 bis 1417), von dem heute nur noch die Grundmauern zu sehen sind. Was erhalten geblieben ist, ist der Portikus (Säulenhalle) des Palastes und auf das arabische Wort für Portikus geht auch die Bezeichnung Partal zurück. Im Unterschied zum Comares-Palast und zum Löwenpalast wurde der Portikus-Palast nicht umgebaut, weshalb seine ursprüngliche Struktur weitgehend erhalten geblieben ist. Erst 1891 wurde das Areal vom Staat erworben und Teil der Alhambra.

Häuser der Nasriden in der Alhambra

Die Casa Nazaries (Häuser der Nasriden) im Partal stammen aus den 14. Jahrhundert, sie sind direkt an der Staumauer und im Anschluss an  den Portikus erbaut. Jedes der vier Wohnhäuser besteht aus zwei Stockwerken, aber sie haben keinen Innenhof. Das Innere ist mit Stuckatur und Wandmalereien dekoriert, die das Leben am Hof darstellen. Es handelt sich um die einzigen original nasridischen Gemälde der Alhambra. Im Rahmen eines normalen Besuchs kann das Innere der Häuser nicht besichtigt werden.

Der Portico-Palast der Alhambra

Auch der Palast Yusufs III. war um einen bzw. mehrere Innenhöfe mit Wasserbecken herum angelegt, ein Teil der Anlage ist der Palacio del Portico (Portikus-Palast) mit dem Hauptwohnraum und dem Aussichtsbalkon im Torre de la Dama (Turm der Dame).

Das Oratorium in der Alhambra

Etwas abgesetzt vom Portikus und direkt an der Stadtmauer steht ein kleines  Oratorio (Gebetshaus). Vermutlich wurde es unter Yusuf  I. von Granada (1318 bis 1354) errichtet, einen Hinweis darauf gibt die Dekoration des Innenraums, die derjenigen im Turm Torre de la Cautiva, der 1340 erbaut wurde, sehr ähnlich ist. Links und rechts des Eingangs sind noch Reste der ursprünglichen Verkleidung erhalten geblieben. Durch das Tor sieht man die reich mit Stuck dekorierten Wände und einen kleinen Mihrab, eine Nische in der Wand, die die Richtung anzeigt, in der die heilige Stadt Mekka liegt.

Das Gebetshaus wurde an ein bestehende Wohnaus angebaut, das später im 16. Jahrhundert Astasio de Bracamonte, dem Knappen des Grafen von Tendilla, gehörte. Das Gebäude ist bis heute das Haus des Astasio geblieben.

Partal Alto in der Alhambra

Der Partal Alto, der oberer Teil des Portals, ist von einer Gartenanlage auf Terrassen bedeckt, die bis zur Kirche Santa María de la Alhambra reichen. Hier befinden sich die Reste des Palastes von Yusuf III., der Friedhof Rauda und in Richtung Westen geht man auch den Botanischen Garten, wo der Rundgang durch die Alhambra endet.

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